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Schrotturm

SchrotturmDer Schrotturm, Wahrzeichen der südlichen Altstadt Schweinfurts, liegt zwischen Judengasse und Spitalstraße. Er ist eines der Gebäude, die für das Stadtbild der ehemaligen Reichsstadt prägend sind. Aus einer Inschrift in einem Türgewände lässt sich die Entstehungszeit auf die Jahre 1611 bis 1614 eingrenzen. Bauherr des Turms war Balthasar Rüffer III, der von 1569 bis 1637 lebte.

Die Luftangriffe im 2. Weltkrieg zogen das Gebäude in schwere Mitleidenschaft. Der nördliche Flügel wurde komplett ruiniert und es drohte der völlige Verfall. Kriegsschäden, fehlende Nutzung, Vernachlässigung und konstruktive Schäden ließen eine Wiederinstandsetzung nicht mehr lohnenswert erscheinen. Erst der Kauf des Denkmals durch die Stadt 1978 machte die Rettung und Instandsetzung des Schrotturms möglich.

Die vergangenen Sanierungsmaßnahmen zeigten, dass es sich bei der Errichtung des Turms von Balthasar Rüffer zu Beginn des 17. Jahrhunderts gewiss nicht um einen Neubau handelte: Der Keller sowie das aufgehende Mauerwerk stimmen in in ihrer Struktur nicht ganz überein. Aufgrund solcher und ähnlicher Beobachtungen geht man davon aus, dass das nach dem „2. Stadtverderben“ von 1554 lediglich provisorisch instand gesetzte Gebäude von Rüffer, unter Einbeziehung älterer Bausubstanz, erweitert und erneuert wurde. Trotz aufwendiger und sachkundiger Renovierungsarbeiten, ist der Schrotturm in seiner heutigen Form lediglich noch ein Torso. Nichtsdestotrotz stellt dieser ein "städtebauliches Schmuckstück" in der Schweinfurter Altstadt dar.

Rekonstruiert man die Architektur des Schrotturms, so geht man davon aus, dass der ursprünglich viergeschossige, über einen achteckigen Grundriss gebaute Turm im Winkel eines zweiflügeligen Gebäudes errichtet war. Bewahrt ist lediglich noch der Südflügel und ein Teil des Nordflügels. Der Rest wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Eine „welsche Haube“ bildet den Abschluß des Turmes. Diese Art der Bedachung wurde nicht allein aus modischen Gesichtspunkten gewählt, sondern demonstrierte ein Bekenntnis zum Status einer protestantischen Reichsstadt. Nach 1554 versah man in Schweinfurt alle wiedererstellten Türme mit einer derartigen dreifachen Kuppelhaube. Ziel war es, der katholischen Umgebung schon durch die Architektur zu signalisieren, dass man politisch und religiös „unabhängig“ war.

Das Innere des Schrotturms:

Da der Schrotturm die Funktion eines Treppenturms hat, von dem aus man die einzelnen Etagen der Flügelbauten erreichen kann, ist auch sein Interieur entsprechend reich ausgestattet. Leider ist dies für den Betrachter nicht zu erkennen, da die Ausmalung des 17. Jahrhunderts größtenteils übertüncht wurde und aus vielerlei Gründen bei der letzten Renovierung nur partiell freigelegt werden konnte.

Durch einen bildhauerisch aufwendig gegliederten Torbogen im Renaissancestil betritt man den Turm. Besonderes Augenmerk verdient die noch originale Türe in situ, die mit ausgestochenem Beschlägwerk verziert ist. Die erhabene Ornamentik setzt sich als Flachrelief auf der Oberseite der Spindel der steinernen Wendeltreppe im Innenraum des Turmes fort. Wendeltreppen waren in Privathäusern bis in das beginnende 18. Jahrhundert gang und gäbe. Der Treppenturm, als Herz eines Gebäudes erfüllte somit zweierlei Funktion: Zum einen verband er die jeweiligen Stockwerke eines Gebäudes, daher erklärt sich auch die aufwendige Dekoration im Inneren.Zum anderen ragt der Treppenturm insbesondere mit seiner Bedachung über anliegende Häuser hinaus und ist dadurch eindrucksvolles Zeugnis des Ranges seines Eigentümers.

Unter zahllosen Anstrichen lassen sich im Schrotturm noch Original-Fresken aus der Entstehungszeit finden. Durch zwei Inschriften läßt sich deren Entstehung auf das Jahr 1614 datieren. Gemeinsam mit dem Leitspruch Rüffers “SOLI DEO GLORIA“ sieht man diese in der gemalten Türeinfassung im zweiten Stock und bei der Supraporte im selben Geschoß. Vielfach sind Fresken und Inschriften bisher nicht freigelegt. Ausmalungen und Inschriften sind wohl in erster Linie im Bereich Treppenturm und dort insbesondere auf dem Absatz am Ende der Treppe und auf dem Belvedere vorzufinden. Sie stellen eine kulturgeschichtliche Rarität dar.

Der Name des Schrotturms:

Seinen derzeitigen Namen hat der Turm von dem Erzeugnis, das ab 1818 darin produziert wurde: Schrot. Eine zeitgenössische Enzyklopädie gibt Hinweis darauf, warum es für das sogenannte Patent Schrot einen Turm benötigte. „Man verfertigt dasselbe, indem man geschmolzenes Bley von einer Höhe von 150 Fuß herabfallen lässt, welches während des Falls eine vortreffliche runde Form bekommt, und im Wasser aufgefangen wird.“ Um auf eine hohe Fallhöhe zu kommen, stockte der Fabrikant Johann Christian Voigt das Gebäude 1818 um fünf Geschosse auf. Bis zu dieser Zeit bezeichnete man den Schrotturm als Rüffersturm.

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