Besinnliche Tage in Oberbayerns Klöstern

Auszeit für die Seele

Kloster Frauenchiemsee in OberbayernKlostergäste haben’s gut: Um Punkt 4.50 Uhr klingelt in der Benediktinerabtei St. Ottilien der Wecker. Und während die Mönche aufstehen, um wenige Minuten später unterm neugotischen Gewölbe der Klosterkirche gemeinsam zu beten, drehen sich die meisten Besucher im molligen Bett noch einmal um.

Wer sich eine besinnliche Auszeit im Kloster gönnt, muss sich nicht an die strengen Regeln der Mönche halten. Manche tun es trotzdem: „So früh am Morgen ist unser Geist besonders wach“, sagt Pater Claudius Bals, Prior der Abtei St. Ottilien.

Seit über 40 Jahren lebt der Benediktiner-Pater im Kloster, das zwischen Pfaffenwinkel und der Region Ammersee-Lech in Oberbayern liegt. Das ganze Jahr über können Gäste hier Kloster-Luft schnuppern. Allerdings wohnen sie nicht mit den Mönchen hinter den Mauern des einstigen Schlosses Emming, das Pater Andreas Amrhein 1886 erwarb, um hier die von ihm gegründete Gemeinschaft der Missionsbenediktiner anzusiedeln. Für Besucher steht das Exerzitienhaus mit 90 Betten bereit, in dem eine Übernachtung mit Vollpension ab 39 Euro im Doppelzimmer kostet. Hier treffen sich rund 1000 Gläubige pro Jahr bei Seminaren, Tagungen oder individuellen Auszeiten. Vom Studenten bis zum Professor, vom Lehrling bis zum Manager. „Zu uns kommen keine Urlauber, sondern Menschen, die spirituelle Erholung suchen“, so Pater Claudius.

Exerzitien wie Meditationen, die auch beim japanischen Blumenstecken Ikebana oder beim gemeinsamen Wandern praktiziert werden können, dienen den Kloster-Gästen als Auszeit vom Alltag. Manche wollen einfach nur schweigen. Wer sich für diese spezielle Form des „Abschaltens“ entscheidet, vermeidet drei Tage lang das Sprechen. Und wenn geredet wird, dann nur mit den Mönchen, die diese Exerzitien begleiten. Aber auch für die anderen Klostergäste haben die Mönche ein offenes Ohr. Worüber man spricht? „Meistens über den Glauben“, sagt der Pater. Oder über die Suche nach dem Sinn und über Sorgen, die in den vergangenen Jahren immer konkreter zu werden scheinen: Arbeitslosigkeit, Krankheit und Armut im Alter. „Die Menschen haben Angst vor der Zukunft“, weiß der Prior aus seinen Gesprächen mit den Gästen. In St. Ottilien, so sagt er, sollen die Suchenden vor allem Gelassenheit finden.

Oberbayern: Abendstimmung Kloster AndechsEine spirituelle Reise zu sich selbst bietet das Kloster Andechs für gestresste Manager an. Vom 25.02. - 1.03.2009, sowie 25.11. - 29.11.2009 können die Führungskräfte im Benediktinerorden, der auf dem Heiligen Berg über dem Fünf-Seen-Land thront, nach den Regeln der Mönche leben. Wer den geistigen Übungsweg beschreitet, setzt sich in intensiven Gesprächen, Gebeten und Meditationen mit sich selbst auseinander und kommt im besinnlichen Takt des Klosters zur Ruhe. In Seminaren hinterfragen die Suchenden zudem die eigenen Lebens- und Arbeitsstrukturen und reflektieren anhand von ausgewählten Bibel-Texten konkrete Führungssituationen. Die Andechser Exerzitien für Manager kosten 1380 Euro pro Person. Da die Teilnehmer im Kloster wohnen, schlafen und essen, sind nur Männer zugelassen.

Gleiches gilt für das Kloster Ettal in der Zugspitz-Region. Dort können Gäste bis zu einer Woche für 25 Euro pro Tag mit den Benediktinermönchen leben, speisen und beten. Tagsüber bieten sich meditative Wanderungen in die ursprüngliche Wildnis der Ammergauer Alpen an. Wer nicht unbedingt im Rhythmus des Ordens, aber in seiner spirituellen Atmosphäre verweilen möchte, kann im klostereigenen Hotel „Ludwig der Bayer“ wohnen, wo sich natürlich auch Frauen einquartieren können. Bei Führungen durch die imposante Basilika, das Brauereimuseum oder durch die Likördestillerie lernen Gäste die Geschichte des berühmten Klosters kennen. Zudem können sie täglich bei der gesungenen Vesper unter der Kirchenkuppel der Rokoko-Basilika mit den Mönchen beten.

Inmitten des idyllischen Chiemsees öffnet eine Oase der Ruhe seine Tore für Besucher: Im über 1000 Jahre alte Benediktinerinnen-Kloster Frauenwörth können Kloster-Gäste in den Alltag der Nonnen eintauchen und an zahlreichen Seminaren teilnehmen. Neben Kursen, in denen Meditationstechniken, Qi Gong, Tai Chi, ayurvedische Kochkunst oder Feldenkrais-Übungen vermittelt werden, können sich Interessierte an Wochenenden mit psychologischen Themen wie Traumdeutung befassen. Zudem werden Gebetsschulen und Seminare für Ehepaare angeboten. Wer sich auf der Insel inmitten des Chiemsees kreativ betätigen möchte, kann sich von Experten in die hohe Kunst der Kalligraphie, in das alte Handwerk der Blattvergoldung oder in die Malerei einweihen lassen.

An Besinnungstagen und bei Exerzitien gönnen sich Einzelne eine spirituelle Auszeit, beten Seite an Seite mit den Ordensfrauen und tauschen sich mit ihnen in geistigen Gesprächen aus. Mehrere tausend Menschen nehmen jedes Jahr an den Kursen hinter den Klostermauern teil und wohnen mit den rund 30 Benediktinerinnen unter einem Dach. Besucher-Gruppen, die nur wenige Stunden Zeit haben, gewähren die Nonnen Einblicke in das Kloster, seine Geschichte und die Benediktusregeln, nach denen die Ordensfrauen heute wie vor 1000 Jahren leben. Zudem zählt das Münster des Klosters zu den ältesten kirchlichen Großbauten in Süddeutschland. Und die benachbarte Torhalle, die aus dem Jahr 850 stammt, ist sogar noch 100 Jahre älter als das Gotteshaus.

Viel jünger als die Abtei im Chiemsee ist das Kloster Schlehdorf im Tölzer Land, das seit 1904 die Missions-Dominikanerinnen der heiligen Katharina von Siena beherbergt. Heute leben 56 Ordensschwestern im Kloster, das mit dem „Haus Dominikus“ eine Bleibe für Besucher und zugleich einen Ort der Begegnung und Besinnung geschaffen hat. Gäste können hier verschiedene Kurse buchen, darunter meditativer Tanz und Feldenkrais, oder auf geführten Kräuterwanderungen und Radtouren das Voralpenland entdecken. Auch ein Ausflug in den Garten des Klosters lohnt sich: Dort gedeihen regionale Kräuter, die der Küche ihre besondere, gesunde Note verleihen (Weitere Infos zum Thema Klostergarten). Darüber hinaus lädt ein Rasen-Labyrinth zum meditativen Spaziergang ein. Gästen gewährt die Ordensgemeinschaft nicht nur Einblicke in das alltägliche Klosterleben, sondern auch in ein überliefertes Handwerk, die Paramentenstickerei: Nach alter Tradition fertigen die Schwestern kunstvolle, liturgische Gewänder und Fahnen in mühevoller Handarbeit an.

Viele Klöster beherbergen heute keine Mönche oder Nonnen mehr, sondern dienen verschiedensten Einrichtungen als imposante Kulisse. Darunter auch das Kloster Tegernsee im Bayerischen Oberland, das bis 1803 die bedeutendste Benediktinerabtei Oberbayerns war. Wo früher Mönche lebten, können Besucher heute im bekannten Bräustüberl der Tegernseer Brauerei köstlichen Gerstensaft genießen. Steinerne Zeugen der geistlichen Geschichte entdeckt man auch in Schliersee, wo im Jahr 1050 ein Kollegialstift erbaut wurde und in Fischbachau. Dort genießen Gäste im Biergarten des Klosterstüberls historisches Flair.

Im Kloster Seeon am Chiemsee, in dem schon der junge Mozart häufig zu Gast war, ist neben einem Hotel auch ein modernes Konferenz-, Kultur- und Bildungszentrum untergebracht. In den mächtigen Mauern des ehemaligen Chorherrenstifts St. Zeno in Bad Reichenhall drücken heute Internatsschülerinnen die Schulbank. Das Kirchengebäude des ehemaligen Klosters im Berchtesgadener Land ist mit 90 Metern Länge, 30 Metern Breite und 16 Metern Höhe übrigens die größte Romanische Basilika Altbayerns.

Ein weiterer sakraler Superlativ lockt seit jeher ins Münchner Umland nach Freising: Dort befindet sich im ehemaligen Benediktinerkloster Weihenstephan die älteste Brauerei der Welt – seit 1040 wird hier Gerstensaft produziert. Übrigens: Mittlerweile ist Weihenstephan Bayerische Staatsbrauerei und unter anderem als international angesehene Hochschule für Brauingenieure bekannt.

Unsere Linktipps:

Kontakt:

Erzabtei St. Ottilien, Tel.: 08193/710, www.erzabtei.de
Kloster Andechs, Tel.: 08152/3760, www.andechs.de
Kloster Ettal, Tel.: 08822/740, www.ettal.de
Abtei Frauenwörth, Tel.: 08054/9070, www.frauenwoerth.de
Kloster Schlehdorf, Tel.: 08851/1810, www.schlehdorf.org
Tourist Information Tegernsee, Tel.: 08022/180140, www.tegernsee.de
Gäste-Information Schliersee, Tel.: 08026/60650, www.schliersee.de
Tourismusbüro Fischbachau, Tel.: 08028/876, www.fischbachau.de
Kultur und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern, Tel.: 08624/8970 www.kloster-seeon.de
Tourist-Info Bad Reichenhall, Tel.: 08651/6060, www.bad-reichenhall.de
Touristinformation Freising, Tel.: 08161/54122, www.freising.de

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